http://prokla.eu/index.php/PROKLA/issue/feed PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft 2019-09-25T13:20:16+02:00 Ingo Stützle stuetzle@prokla.de Open Journal Systems <p>Die PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft ist eine deutsche Peer-Review-Zeitschrift, in der seit 1971 Themen aus den Bereichen der Politischen Ökonomie, der Politik, Sozialgeschichte und Soziologie bearbeitet. Im Zentrum stehen dabei gesellschaftliche Machtverhältnisse, Polarisierungen im internationalen System und das gesellschaftliche Naturverhältnis.</p> http://prokla.eu/index.php/PROKLA/article/view/1840 Editorial 2019-09-23T19:23:56+02:00 PROKLA Redaktion redaktion@prokla.de <p>Der europäischen Sozialdemokratie droht im Mai 2019 bei den Europawahlen ein Fiasko. Es wird nicht das erste sein und die schlechten Umfragen sind nicht nur eine kurzfristige Erscheinung, sondern Ausdruck eines langjährigen Niedergangs der Sozialdemokratie in Europa. Die goldenen Jahre sozialdemokratischer Wahlerfolge liegen etwa 20 Jahre zurück. Seit den 1990er Jahren unterlag die Sozialdemokratie einem inhaltlichen wie strategischen Transformationsprozess, der als „Marktsozialdemokratie“ (Oliver Nachtwey) bezeichnet werden kann. Die damit einhergehenden Legitimationsdefizite entfernten die europäischen sozialdemokratischen Parteien von ihrer angestammten Klientel. Fortan wollten sie Parteien der „Mitte“ sein. Die Krise seit 2008 beschleunigte den Niedergang, der von einer tektonischen Verschiebung innerhalb des Parteiensystems begleitet ist. Die PROKLA wird die „Krise der (europäischen) Sozialdemokratie“ analysieren und ihre gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Gründe herausarbeiten. Dafür soll die Analyse nicht an der Oberfläche des politischen Alltagsgeschäfts verbleiben, sondern in eine Bestimmung gesellschaftlicher Transformationsprozesse eingebettet werden.</p> 2019-09-20T00:00:00+02:00 Copyright (c) 2019 PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft http://prokla.eu/index.php/PROKLA/article/view/1826 Marx, Keynes, Hayek und die SPD 2019-09-23T19:21:06+02:00 Ingo Schmidt ingos@athabascau.ca <p>Der Artikel kritisiert Analysen der Sozialdemokratie, die sich entweder einseitig auf den Primat der Ökonomie, den Primat der Politik oder einen mehr oder weniger automatischen Pendelschwung zwischen beiden konzentrieren. Alternativ wird vorgeschlagen, Wirtschaftstheorien als Schlüssel zum Verständnis sozialdemokratischer Politik im Kontext sich ändernder Klassenverhältnisse und wirtschaftlicher Entwicklungen zu verwenden. Der Artikel argumentiert, dass die Sozialdemokratie, die sich um marxistische Ideen versammelte, zu einer starken Herausforderung für die kapitalistische Herrschaft wurde. Die Sozialdemokratie, die keynesianische Ideen aufgriff, wurde in den Wohlfahrtskapitalismus integriert und drängte auf historisch beispiellose soziale Reformen. Der Konflikt zwischen steigender Erwartungshaltung durch wirtschaftlichen Wohlstand, Unzufriedenheit mit dem bürokratischen Charakter des Sozialstaates und einer Rückkehr der Wirtschaftskrise führte jedoch zu einer kapitalistischen Wende gegen den Sozialstaat unter hayekianischem Vorzeichen. Sozialdemokraten glaubten, einen dritten Weg zwischen dem keynesianischen Sozialstaat und dem ungehinderten Marktkapitalismus während des New-Economy-Booms der 1990er Jahre anbieten zu können, erreichten nach dem Boom aber nur eine Asuteritätspolitik. Grundlage dieser sozialen Transformationen der Sozialdemokratie ist die Integration der Arbeiterklasse während des keynesianischen Zeitalters und die Aufhebung dieser Klassen während des neoliberalen Zeitalters, was der Sozialdemokratie wenig Gegenmacht verleiht. Der Artikel endet mit einigen Überlegungen zu den Möglichkeiten, weit verbreitete Unzufriedenheiten in eine neue Herausforderung für die kapitalistische Herrschaft zu verwandeln.</p> 2019-09-20T12:10:37+02:00 Copyright (c) 2019 PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft http://prokla.eu/index.php/PROKLA/article/view/1831 Umbruch der Produktionsweise und die Krise des sozialdemokratischen Modells 2019-09-23T19:22:18+02:00 Manfred Wannöffel manfred.wannoeffel@rub.de <p>Ziel des Artikels ist, die Krise des sozialdemokratischen Politikmodells zu erklären. Im Mittelpunkt steht die Analyse struktureller, organisatorischer, institutioneller und sozialer Ursachen in ihrer Interaktion, um schließlich einige Zukunftsperspektiven der Sozialdemokratie im globalen Kontext globaler wirtschaftlicher Transformationsprozesse zu skizzieren. Die These dieses Papiers ist, dass die Krise des sozialdemokratischen Politikmodells das Ergebnis von vier Jahrzehnten tiefgreifender Veränderungen in der dominanten Produktionsweise in den Industrieländern der Europäischen Union ist.</p> 2019-09-20T10:15:21+02:00 Copyright (c) 2019 PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft http://prokla.eu/index.php/PROKLA/article/view/1834 Grenzen der postblairistischen Konstellation 2019-09-23T19:20:41+02:00 Armin Puller armin.puller@univie.ac.at <p>Der Beitrag betrachtet die aktuelle Lage der Sozialdemokratie aus Perspektive der politischen Strategie und zeichnet die Entwicklung der österreichischen Sozialdemokratie (SPÖ) nach. Aus dieser theoretischen Problematik erscheint das Aufkommen des Blairismus nicht nur als Ergebnis der exogen generierten Schwächung der Identität der traditionellen Sozialdemokratie, sondern als Versuch, die sozialdemokratischen Parteien hinter einem neuen Parteiprojekt zu einen, das die Defensive der 1980er und 1990er Jahre beendete und Parteiführungen taktischen Manövrierraum ermöglichte. Nach dem Scheitern des Blairismus erneuerten sich die sozialdemokratischen Parteien Europas in Richtung einer postblairistischen Strategie, die Kernelemente des Blairismus mit neuen vagen Bezugnahmen auf soziale Gerechtigkeit und ambivalenten Ansätzen zur Wiedergewinnung von ArbeiterInnenmilieus kombiniert. Wie schon die blairistischen Parteienprojekte bietet der Postblairismus jedoch weder ideologische Kohärenz noch innerparteiliche Stabilität. Diese Probleme zeigen sich auch am Beispiel der SPÖ, die basierend auf einer verschobenen politökonomischen Dynamik des Landes einen doppelten Sonderfall des Übergangs vom Blairismus zum Postblairismus bildet.</p> 2019-09-20T12:15:19+02:00 Copyright (c) 2019 PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft http://prokla.eu/index.php/PROKLA/article/view/1827 Neoliberale Industriepolitik im sozialen Schafspelz 2019-09-23T19:20:17+02:00 Angela Wigger a.wigger@fm.ru.nl Laura Horn lhorn@ruc.dk <p>Sozialdemokratische Parteien befürworten nachdrücklich die europäische Integration. Dennoch ist es das europäische Projekt, das ihren Wahlchancen am meisten schadet. Der Artikel zeigt, dass der Niedergang der europäischen Sozialdemokratie im Scheitern der Politik des Dritten Weges zu verorten ist. Auf EU-Ebene zeigt sich dies einerseits im sozialdemokratischen Mitwirken der internen Abwertung durch Lohnmäßigung und Arbeitsmarktflexibilisierung, wie auch der sozialdemokratischen Unterstützung des Verteidigungsfonds als Teil der neuen Industriepolitik der EU, und andererseits der sozialdemokratische Priorisierung von Wettbewerbslogiken, die die Glaubwürdigkeit von flankierenden sozialdemokratischen Projekten wie dem Europäischen Sozialmodell und der Europäischen Säule sozialer Rechte maßgeblich untergräbt.</p> 2019-09-20T12:16:36+02:00 Copyright (c) 2019 PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft http://prokla.eu/index.php/PROKLA/article/view/1836 Sklaverei und Lohnarbeit bei Marx 2019-09-23T19:22:42+02:00 Christian Frings christian.frings@gmx.net <p>In neuen Beiträgen zur Rolle von Gewalt und Formen unfreier Arbeit im&nbsp;Kapitalismus (Heide Gerstenberger, Marcel van der Linden und Karl Heinz&nbsp;Roth) wird die Ausblendung dieser Dimensionen auf die zentrale Stellung&nbsp;der doppelt freien Lohnarbeit in der Kritik der politischen Ökonomie von&nbsp;Marx zurückgeführt. Der Aufsatz versucht zu zeigen, dass es sich hier um&nbsp;eine Verwechslung der marxschen Kritik mit einer als „Marxismus“&nbsp;bezeichneten Ideologie der westlichen Arbeiterbewegungen handelt, die&nbsp;eine bestimmte Funktion für die zunehmende Integration dieser Bewegungen&nbsp;in die bürgerliche Gesellschaft hatte. Während Marx an einer radikalen&nbsp;Kritik von Lohnarbeit als einer maskierten und verallgemeinerten&nbsp;Sklaverei festhielt, stellte die „Arbeiterbewegung“ die freie Lohnarbeit&nbsp;als „ehrliche Arbeit“ anderen Formen wie dem Lumpenproletariat und den<br>Versklavten gegenüber. Für Marx produzierten auch die Versklavten in der&nbsp;kapitalistischen, industriellen Plantagensklaverei Wert und Mehrwert. Er&nbsp;konzentriert sich, auch in Kritik an der „Arbeiterbewegung“, auf die&nbsp;Form der Lohnarbeit, weil sie die ideale Mystifizierung und&nbsp;Verschleierung der Ausbeutung im Kapitalismus darstellt.</p> 2019-09-20T10:13:42+02:00 Copyright (c) 2019 PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft http://prokla.eu/index.php/PROKLA/article/view/1837 Es rettet sie kein höh’res Wesen 2019-09-23T19:23:07+02:00 Stephan Lessenich stephan.lessenich@soziologie.uni-muenchen.de <p>Die deutsche Sozialdemokratie befindet sich in der Krise, sie schafft sich selbst ab - und es gibt keine Rettungsmöglichkeiten mehr. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) hat ihre Zeit gehabt, diesmal ist sie abgelaufen: Sie hat sich immer als Staatsträger bis zum bitteren Ende erwiesen, hat sich im "Modell Deutschland" etabliert und ist bei all den drängenden Herausforderungen der jüngeren Zeit wie der Einwanderungsgesellschaft und der Klimakrise völlig gescheitert. Die Sozialdemokratie hat kein historisches Projekt mehr.</p> 2019-09-20T10:13:13+02:00 Copyright (c) 2019 PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft http://prokla.eu/index.php/PROKLA/article/view/1830 Die deutsche Sozialdemokratie vor dem Untergang – zerrieben zwischen Kosmopolitismus und Kommunitarismus? 2019-09-23T19:21:54+02:00 Janis Ehling molloy-beckett@web.de <p>Die Entwicklung der Sozialdemokratie ist nicht neu, aber ihre Bedeutung für die Gesellschaft als solche hat dazu geführt, dass sie derzeit wieder in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Aber die Diskussion bleibt oberflächlich. Eine Partei - im gramskanischen Sinne als soziale Gruppe - verschwindet erst, wenn der Konflikt, aus dem die Partei hervorgegangen ist, gelöst ist. Dementsprechend reichen die Organisationen und Traditionen der deutschen Parteien 150 Jahre zurück - eine bemerkenswerte Beständigkeit. Und die zentralen sozialen Konfliktlinien haben sich nicht wesentlich verändert. Trotz der Feststellung der Mainstream-Soziologie, dass Individualisierung die Ursache für den Niedergang der Sozialdemokratie ist.</p> 2019-09-20T10:16:10+02:00 Copyright (c) 2019 PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft http://prokla.eu/index.php/PROKLA/article/view/1833 Ökonomie ist kulturell, Kultur ist ökonomisch 2019-09-25T13:20:16+02:00 Floris Biskamp floris.biskamp@uni-tuebingen.de <pre class="moz-quote-pre">Im Streit darüber, ob der jüngste Aufstieg des Rechtspopulismus eher ökonomische oder eher kulturelle Ursachen hat, kam es zuletzt zu einer Rehabilitierung der ins Hintertreffen geratenen ökonomischen Erklärungen – in Deutschland in erster Linie durch Philip Manows "Die politische Ökonomie des Populismus". Auch wenn dieses Buch die Debatte weiterbringt, weist es drei grundlegende Probleme auf, die im Beitrag herausgearbeitet werden: Erstens wird der Populismusbegriff nicht definiert und entsprechend willkürlich genutzt, zweitens fällt die Darstellung des Verhältnisses von Kultur und Ökonomie allzu einseitig aus, drittens muss auch die ökonomische Dimension selbst komplexer modelliert werden, um der Vielfalt des Populismus und den internationalen Interdependenzen gerecht zu werden.</pre> 2019-09-20T12:08:20+02:00 Copyright (c) 2019 PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft http://prokla.eu/index.php/PROKLA/article/view/1838 Der sozial-ökologische Umbau als Demokratiefrage 2019-09-23T19:24:21+02:00 Markus Wissen markus.wissen@hwr-berlin.de <div class="page" title="Page 1"> <div class="layoutArea"> <div class="column"> <p><strong>Der sozial-ökologische Umbau als Demokratiefrage.&nbsp;Dilemmata und Chancen einer gewerkschaftlichen Transformationspolitik.&nbsp;</strong>Obwohl in der aktuellen Debatte weitgehend vernachlässigt, ist die Demokratisierung der Verfügung über die Produktionsmittel ein Schlüssel zur sozial-ökologischen Transformation. Die gleichberechtigte Beteiligung der von Produktionsentscheidungen Betroffenen am Entscheidungsprozess würde nicht nur die Voraussetzungen für menschenwürdige Arbeit schaffen, sondern auch die Reorganisation der Produktion nach dem Prinzip der sozialen und ökologischen Nutzwertorientierung. Nachdem der Artikel den engen Zusammenhang zwischen Demokratisierung und sozial-ökologischer Transformation auf theoretischer Ebene erläutert hat, werden die Dilemmata und Chancen diskutiert, mit denen die Gewerkschaften im Automobilsektor derzeit konfrontiert sind. Ein zentrales Argument ist, dass eine Strategie der radikalen Demokratisierung, die zwar auf den ersten Blick die Organisationsmacht der Gewerkschaften bedroht, ein Mittel sein kann, durch das sie gestärkt und in die Lage versetzt werden, eine entscheidende Rolle bei der sozial-ökologischen Transformation zu spielen.</p> </div> </div> </div> 2019-09-20T00:00:00+02:00 Copyright (c) 2019 PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft http://prokla.eu/index.php/PROKLA/article/view/1839 Über uns die Sintflut 2019-09-23T19:23:31+02:00 Jakob Graf jakob.graf@prokla.de Anna Landherr anna.landherr@gmail.com <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 108%;">Ulrich Brand, Markus Wissen und Stephan Lessenich haben die Gesellschaften des Globalen Nordens zuletzt einer scharfen Kritik unterzogen, indem sie auf die dort vorherrschende global nicht-verallgemeinerbare Lebensweise sowie der Externalisierung sozial-ökologischer Kosten in Länder des Globalen Südens verwiesen. Während in beiden Büchern die Verteilungsfrage zwischen „Nord“ und „Süd“ im Zentrum der Analyse stehen, wurde gleichzeitig eine Debatte in Deutschland hervorgerufen, die unter anderem die Frage stellte, ob diese Perspektive nicht die Klassenverhältnisse innerhalb der Zentren vernachlässige.&nbsp; Schaut man sich allerdings die Kehrseite der Externalisierung und der imperialen Lebensweise an – also die Länder der Peripherie – sind Fragen nach globaler Ungleichheit schon auf den ersten Blick mit Klassenverhältnissen verbunden. Dies gilt für ökonomische, ökologische oder politische Ungleichheiten. Die Klassenverhältnisse in Ländern des Globalen Südens bedingen nicht nur die ungleiche Verteilung der Ressourcen innerhalb dieser Länder, sondern sind ausschlaggebend für die Aufrechterhaltung und Gewährleistung der Internalisierung externer Kosten. Am Beispiel Chiles werden wir im Folgenden den Zusammenhang zwischen internen Klassenverhältnissen, Internalisierung und imperialer Lebensweise aufzeigen.</p> 2019-09-20T10:12:42+02:00 Copyright (c) 2019 PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft